die katholische Soziallehre
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Reflexionen
1. Kapitel: Der Plan der Liebe Gottes für die Menschheit
Soziallehre - Bilanz
P. Alois Riedlsperger SJ
Johannes Paul II. hat in den 26 Jahren seines Pontifikats in der Sozialverkündigung deutliche Akzente gesetzt und damit Art und Inhalt der katholischen Soziallehre weiterentwickelt
Nicht mehr länger sollte die Soziallehre ein Randthema der Kirche sein. Denn: „Die Verkündigung und Verbreitung der Soziallehre gehört wesentlich zum Sendungsauftrag der Glaubens-verkündigung der Kirche; sie gehört zur christlichen Botschaft, weil sie deren konkrete Auswirkungen für das Leben in der Gesellschaft vor Augen stellt und damit die tägliche Arbeit und den mit ihr verbundenen Kampf für die Gerechtigkeit in das Zeugnis für Christus den Erlöser mit einbezieht“ (Rundschreiben Centesimus annus Nr. 5).Dass der Mensch nicht allein vom Brot lebt und seine Vollendung am Ende der Geschichte von Gott her erwartet, darf deshalb „niemals eine Entschuldigung dafür sein, sich nicht für die Menschen in ihrer konkreten persönlichen Lage und ihrem gesellschaftlichen Leben zu interessieren, und dies auf nationaler wie auf inter- nationaler Ebene“ (Rundschreiben Sollicitudo rei socialis Nr. 48).
Soziale Fragen –Grundfragen des Menschen
Bezeichnend für die Auseinandersetzung Johannes Pauls II. mit sozialen Fragen ist, in ihnen Grundfragen des Menschen und der Gesellschaft zu sehen und sie als solche zu thematisieren. Davon zeugen seine drei großen Sozialrundschreiben.
>>> Mensch vor Kapital
Die Arbeit erweist sich nämlich „als der entscheidende Dreh- und Angelpunkt der gesamten sozialen Frage, wenn es darauf ankommt, sie unter der Rücksicht zu betrachten, was sie für das Wohl des Menschen bedeutet“ (Nr. 3). Arbeit ist Teilnahme am Schöpfungswerk Gottes. Die persönliche Würde des arbeitenden Menschen verlangt den Vorrang der Arbeit vor dem Kapital. Diese Wertordnung muss die Gestaltung der konkreten Bedingungen der Arbeitswelt bestimmen. >>> Wahre Entwicklung
Die Bilanz von zwanzig Jahren Entwicklungspolitik bietet Grund zu ernster Sorge. Es geht Johannes Paul II. damit wieder um die grundsätzliche Frage von Entwicklung, in den so genannten Entwicklungsländern wie in den industrialisierten Ländern. „Die soziale Sorge der Kirche“ gilt „einer wahren Entwicklung des Menschen und der Gesellschaft, welche die menschliche Person in allen ihren Dimensionen achten und fördern soll“(Nr.1). Denn: „Eine rein wirtschaftliche Entwicklung vermag den Menschen nicht zu befreien; im Gegenteil, sie versklavt ihn schließlich nur noch mehr“(Nr.46). Hab- sucht und Herrschsucht haben sich zu „ Strukturen der Sünde “ verfestigt. Darum fordert Johannes Paul II. eine entschiedene Umkehr zu weltweiter Solidarität.
>>> Zwischen Markt und Staat Das dritte Sozialrundschreiben „Centesimus annus“, das 1991 zum Hundertjahrjubiläum von „ Rerum novarum“ erscheint, ist geprägt von den dramatischen Umbrüche des Jahres 1989. „Kann man sagen, dass nach dem Scheitern des Kommunismus der Kapitalismus das siegreiche Gesellschaftssystem sei?“ (Nr. 42)
„Es hat manchmal den Anschein, als existierte der Mensch nur als Produzent oder Konsument von Waren oder als Objekt der staatlichen Verwaltung. Es wird vergessen, dass das Zusammenleben der Menschen weder den Markt noch den Staat zum Endziel hat. Er besitzt in sich selber einen einzigartigen Wert, dem Staat und Markt dienen sollen“(CA 49). Markt und Staat müssen der universalen Bestimmung der Güter für alle Menschen und dem Aufbau einer wahren Kultur dienen. Die Bekämpfung der Armut und die Überwindung des Krieges fordern ein solidarisches Vorgehen auf Weltebene .
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