die katholische Soziallehre
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Reflexionen
4. Kapitel: Prinzipien der Soziallehre der Kirche: Grundwerte des gesellschaftlichen Lebens
Der Sonntag Eine Zeitinstitution mit Geschichte und Zukunft
Jürgen P. Rinderspacher (*) Warum ist der Sonntag so wichtig? Die Menschen möchten ihren Sonntag als Bestandteil des Wochenendes nicht missen . Freizeitforscher beobachten schon seit drei Jahrzehnten im Zuge der Individualisierung die Suche nach gemeinsamer Zeit. Und die lässt sich aus naheliegenden Gründen am besten am Wochenende organisieren (...)
Fünf Funktionen des Sonntags
Das Wochenende bzw. der moderne Sonntag haben verschiedene, insgesamt fünf Funktionen für das Individuum wie für die Gesellschaft als ganze. 1) Zunächst hat der Sonntag eine Schutzfunktion: Er bewahrt die Menschen vor Ausbeutung und Selbstausbeutung, indem per Gesetz wie aber auch durch die Sitten und Gebräuche der Kultur jede Art von Arbeit, die am Sonntag nicht unbedingt erforderlich ist, d.h. ebensogut unter der Woche geleistet werden kann, negativ sanktioniert wird. 2) Über diese gewissermaßen passive Leistung hinaus, greift der Sonntag aber auch aktiv und gestaltend in unseren Alltag ein; er fordert uns auf, an diesem Tag etwas anderes zu tun als sonst. Diese Animationsfunktion bringt damit etwas hervor, das individuell freie Tage in der Woche nicht vermögen. 3) Aus diesem Gemeinschaftsbezug ergibt sich dann folgerichtig die nächste, die Entlastungsfunktion: Alleinder soziale Kontakt der Menschen untereinander bewirkt, dass ein gemeinsames Innehalten die Individuen von Entscheidungs-notwendigkeiten entlastet. Im Klartext: man muss sich einmal wöchentlich keine Gedanken darüber machen, ob Arbeit oder Freizeit angesagt ist: Es ist Sonntag!
4) Hat sich die Gesellschaft für die Institutionalisierung eines gemeinsamen Arbeit-Ruhe-Rhythmus erst einmal grundsätzlich entschieden, ermöglicht der Sonntag eine hervorragende Koordination der dort anstehenden Aktivitäten. Da alle Mitglieder der Gesellschaft (mit möglichst wenigen Ausnahmen) zur gleichen Zeit frei haben und dank des Animationscharakters des Wochenendes außerdem noch in einen Zustand hoffungsvoller Erwartungen versetzt sind - „schönes Wochenende!" -, lässt sich die verfügbare Zeit im größtmöglichen Ausmaß auch für die gewünschten Aktivitäten nutzen. Gerade die hochflexiblen Mitmenschen und Singles entdecken wieder, wie wertvoll es ist, nicht einen Großteil der knappen Zeit für die bloße Organisation der eigenen Zeit aufwenden zu müssen. 5) Doch, wie eingangs gesagt, ist der Sonntag nicht nur ein Freizeit-Event und sein drohender Verlust wäre nicht nur ein Problem der Freizeit- Familienund Sozialpolitik. Damit ist seine Integrationsfunktion angesprochen. Feiertage und ganz allgemein Lebensrhythmen sind immer auch Ausdruck soziokultureller Zugehörigkeit. Der Umgang mit der Zeit in einer Gesellschaft und die Art und der Anlass ihrer Ruhezeiten sagt viel über Lebenseinstellungen und Wertorientierungen. Wer den 24. oder 31. Dezember für einen herausgehobenen Tag hält oder wer am Sonntag bewusst die Arbeit ruhen lässt, macht damit im weltweiten Vergleich der Kulturen seine Nähe zu einem bestimmten Kulturkreis, gegebenenfalls zu einer bestimmten Religion deutlich.
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