die katholische Soziallehre
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Reflexionen 5
. Kapitel: Die Familie, Lebenszelle der Gesellschaft
Verplante Kindheit?
Helga Zeiher
Das "verplante Kind" gilt als bedauernswertes Kind, "verplante Kindheit gilt als nicht richtige Kindheit. Ist diese Negativbewertung angemessen?Einüben von Zeitdisziplin
Seit die Industrialisierung Verstetigung und Pünktlichkeit des Zeitgebrauchs erforderlich machte, erfahren Kinder Fragmentierung und strenge rationelle "Verplanung" ihrer Zeit im Schulalltag. In der industriellen Gesellschaft wurde das Einüben von Zeitdisziplin ein wichtiges Erziehungsziel in Schule und Familie. Zunächst betraf der Zwang zum pünktlichen und regelmäßigen Einfügen in Zeitvorgaben nur bestimmte Alltagsbereiche, den Schulbesuch, die Familienmahlzeiten, das Heimkommen am Abend. Diese fremdbestimmten Zeiten ließen Zeiten zum Spielen frei, in deren Ablauf die Erwachsenenzeit nicht eingriff, in denen Kinder spielen, trödeln und träumen konnten und sollten. Seit den späten 60er Jahren veränderte sich dieses Verhältnis von Zeitzwangund Zeitfreiheit radikal. Eine neue Generation von Eltern und Pädagogen kritisierte rigide Ordnungszwänge. Kinder sollten sich nach ihren Bedürfnissen selbst steuern. Mutter stillten ihre Kinder, wenn diese danach verlangten. Die Beurteilung der Zeitdisziplin verschwand aus den Zeugnissen. In einigen neuen "Freien Schulen" bestimmte jedes Kind selbst, wann es lernte. Dieser kulturelle Umbruch geschah während des Übergangs zur Konsum- und Dienstleistungsgesellschaft.
Rationalisierung der Kindheit
Mit der Zurücknahme persönlicher Disziplinierung durch Zeitvorschriften ging die Ausbreitung struktureller Zeitkontrollen im Leben der Kinder einher. Das geschah im Zusammenhang der Reform des Bildungswesens. Schulisches Lernen wurde durch leistungsorientierte Rationalisierung intensiviert sowie in die frühe Kindheit und in den Freizeitbereich der Kinder ausgeweitet. Eine neue Mittelschicht im anwachsenden Dienstleistungssektor erstrebte für ihre Kinder sozialen Aufstieg durch Bildung. Möglichst die ganze Zeit sollte zu Lernen in verschiedenen Formen genutzt werden. Spielen, Interaktionen unter Kindern, Haushaltspflichten, Fernsehsendungen für Kinder – alles wurde entsprechend pädagogisiert. Seither finden sich Kinder einem dichteren Gebilde aus verschiedenen Zeitrastern gegenüber. Kinder haben es seither vermehrt mit formal organisierten Abläufen, mit Öffnungszeiten, Veranstaltungsterminen undAnmeldefristen zu tun. In den Familien verloren zwar die Mahlzeitentermine ihre Rigidität, doch entwickelten sich an den Terminen von Fernsehsendungen und zunehmend auch an Erwerbsarbeitszeiten der Väter und Mütter neue Zeitmuster des Alltagslebens. Das heißt, die Bildungs-, Betreuungs- und Freizeiteinrichtungen, deren Zweck es ja gerade war, Kinder aus der Arbeitswelt herauszunehmen, waren jetzt sehr viel differenzierter in arbeitsweltlichen Mustern fragmentierter und ökonomisierter Zeit organisiert, und diese Muster bestimmten sehr viel mehr die Alltagszeit der Kinder.
Die Autorin
Dr. Helga Zeiher arbeitet am Max-Planck-Institut für Bildungs- forschung, Berlin.
UNICEF
Innocenti Research Centre
Österreichisches Institut für Familienforschung
Institut für Ehe und Familie (siehe die Linksamlung des Institutes)
Institut für Medizinische Anthropologie und Bioethik auf Grundlage des christlichen Menschenbildes
Das online Familienhandbuch Bayern Hervorragendes, praxisorientiertes Nachschlagewerk
Euronews Kinderarmut im reichen Europa (22.10.2010)
Spiegel TV Die Müllkinder von Rumänien (28.10.2010)
In Deutschland ist jedes achte Kind von Armut bedroht (29.01.2009)
Kindersoldaten Dokumentation vom History Channel (drei Teile, auf Deutsch, 2010)
Deutsches Jugendinstitut, München
Audio-, Videothek, Dokumente
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